Neobionten nutzen
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Neobionten (Neobiota) nennt man Arten die nach der Entdeckung Amerikas 1492 wissentlich oder unwissentlich zwischen Kontinenten, bzw. unterschiedlichen geografischen Regionen, wo sie niemals heimisch waren, angesiedelt, eingeschleppt oder irgendwie sonst verbreitet wurden. Man unterscheidet hier Neomyceten (neue Pilze), Neophyten (neue Pflanzen) und Neozoen (neue Tiere).

Konkret handelt es sich um tausende von Arten, von denen viele sich unauffällig etabliert haben, oder aber sich nicht durchsetzen konnten und weitgehend wieder verschwunden sind. Einige Dutzend Arten jedoch entwickelten sich zu invasiven Eroberern, die ganze Lebensräume inkusive deren heimischen Lebensgemeinschaften massiv gefährden und große ökologische Probleme schaffen. Diese Arten gilt es wieder zurückzudrängen und die Lebensräume heimischer Arten zu schützen, bzw. die fremden Arten nicht durch Unachtsamkeit bzw. Unwissenheit weiter zu verbreiten. Deshalb etabliert man im Zuge von Bauvorhaben bzw. anschließend an ein solches zur Nachsorge z.B. ein Neophytenmanagement (Neue Pflanzen) um die unkontrollierte Ausbreitung von Problemarten zu verhindern oder zumindest zu bremsen. Deshalb ist es unerlässlich das Problembewußtsein zu fördern und Wege zur Bekämpfung oder zur prophylaktischen Vorsorge aufzuzeigen. „Schwarze Liste“ Vor Kurzem erschien endlich die lange überfällige

"Schwarze Liste" der Problemarten, die den notwendigen Handlungsbedarf im Hinblick auf tierische und pflanzliche Invasoren aufzeigen sollte. Welche Arten aber schlussendlich in dieser Liste aufscheinen, treibt Eingeweihten die Zornesröte ins Gesicht. Kaum eine der wirklichen Problemarten ist hier gelistet,weder im botanischen Bereich noch findet sich bei den Tieren ein realistisches Bild. Anstatt dessen setzt man z.B. den "Heiligen Ibis“, oder den “Roten Nasenbären" auf die Watchlist, der, könnte er überhaupt in freier Natur überleben, kaum jemals im Stande wäre irgend eine Gefahr für heimische Arten darzustellen. Hier wird das Bedrohungspotenzial wirklicher Invasoren ins Lächerliche gezogen. Damit wird der Sache leider ein Bärendienst geleistet. Was kann man also tun, haben sich doch viele der Problemarten im gewässernahen Bereichen etabliert und bedrohen dort die heimische Vielfalt?

Neobionten nutzen

Einigen Arten kann man durchaus auch einen - zugegeben kleinen- Nutzen abgewinnen. Japanischer Staudenknöterich (Fallopia japonica), Sachalinknöterich, Böhmischer Knöterich: So können zum Beispiel die jungen Triebe des invasiven japanischen Staudenknöterichs und seiner verwandten Arten, die im Frühjahr ein Sprossenwachstum von bis zu 30 Zentimetern pro Tag!!! aufweisen können, wie Spargel verkocht und als Beilage zu verschiedenen Speisen genossen werden. Trockene, im Herbst abgestorbene Stängel werden gerne zu Dekorationszwecken verwendet. Die Samen des „Drüsigen Springkrautes“ (Impatiens glandulifera) etwa, haben ein köstliches, nussiges Aroma zu bieten. Sie können im Herbst aus den Samenkapseln geerntet und zum Beispiel wie Sesamsaat roh oder geröstet genossen, für allerlei Backwaren (Weihnachtsbäckerei), auf Salaten oder einfach auf‘ s Butterbrot gestreut, verwendet werden. Mancherorts ist z.B. auch die Topinambur oder Erdbirne (Helianthus tuberosus) außer Kontrolle geraten. Hier gilt natürlich auch ob ihres mild nussigen Geschmacks die kulinarische Verwertung als bester Weg der Eingrenzung. Die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis) etwa wird auch medizinisch als Mittel gegen Insektenstiche, Halsentzündungen und als harntreibender Tee verwendet. Zahlreiche andere Neophyten besitzen zwar einen gewissen dekorativen Wert und können gerne auch blühend genutzt werden, aber hier sollte peinlichst darauf geachtet werden, dass Samen und austriebfähige Pflanzenteile nicht kompostiert oder auf irgendeinem anderen Wege in die Natur verbracht werden. Solche Problemarten sind z.B.: Die Kanadische Goldrute, der Götterbaum, der Hirschkolbensumach (Essigbaum), der Schmetterlingsflieder, die Kermesbeere, der amerikanische hohe Sonnenhut, der schlitzblättrige Sonnenhut, die amerikanische Beifuß- Ambrosie, kanadisches Berufkraut, einjähriges Berufkraut, der Riesenbärenklau und viele andere. All diese gedeihen oft besonders gut in gewässernahen Zonen und Uferbereichen, verdrängen durch ihr massenhaftes Vorkommen entweder die heimische Vegetation, verursachen große Bauschäden (Götterbaum), oder sind gar schwer gesundheitsgefährdend (Riesenbärenklau – Verbrennungen, Ambrosie – hoch allergene Wirkung).

Tierische Problemarten im und am Wasser

Amerikanischer Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus), Roter amerikanischer Sumpfkrebs, (Procambarus clarkii), Kamberkrebs (Orconectes limosus) Zumindest diese drei, allesamt aus Amerika eingeschleppten Krebsarten, bilden in Zentraleuropa mehr oder weniger große Bestände. Da sie ausnahmslos Überträger der für alle heimischen Krebsarten tödlichen Krebspest sind, muss ihre weitere Ausbreitung gebremst und womöglich verhindert werden. Sie sind allesamt hervorragende Speisekrebse, vor allem der Signalkrebs, der zudem eine attraktive Größe erreicht. Die vorhandenen Bestände dieser gebietsfremden Krebse sollten durchaus stärker genutzt werden, um ihre unkontrollierte Ausbreitung zu minimieren, aber natürlich auch aus kulinarischen Gründen.

Bei den Fischen sind in Freigewässern vor allem die asiatischen Graskarpfen, Weißer Amur und Schwarzer Amur, Tolstolob und Marmorkarpfen ein Riesenproblem für das ökologische Gleichgewicht. Sie vernichten die wichtigen höheren Wasserpflanzen (Makrophyten) und produzieren dadurch einen Überschuss an düngeaktiven Substanzen (Nährstoffe), die dann nicht mehr von den Wasserpflanzen verwertet werden können, sondern für ein ungebremstes Algenwachstum zur Verfügung stehen. Außerdem finden heimische krautlaichende Fischarten keine Laichbetten mehr und die Jungfische keine geschützten Aufwuchshabitate. Wir wundern uns dann warum es kaum mehr ein nennenswertes Naturaufkommen vieler Arten gibt. Hier gilt: „Diese Fische sollten bevorzugt den Gewässern entnommen und nicht!!! mehr nachbesetzt werden. Sie sind nebenbei hervorragende Speisefische.“ Gleiches gilt z.B. für den vielerorts bereits zahlreich vorkommenden amerikanischen Sonnenbarsch (Lepomis gibbosus) sowie die vielen zur Plage gewordenen, ebenfalls aus Amerika stammenden Zwergwelse (Ictalurus nebulosus, I. melas),sowie beispielsweise für den Giebel (Carassius gibelio). Auch hier bitte den Gewässern entnehmen und als Gaumenfreude kulinarisch verwerten. Diese Liste könnte natürlich noch wesentlich erweitert werden, das würde jedoch diesen Rahmen sprengen.

Eingeschleppte Pilze: Einige von ihnen gefährden beispielsweise wichtige Gehölze der Ufer- und Auwälder (Esche, Ulme, Erle).

„Viele der bekannten Fisch fressenden Prädatoren sind den sogenannten Neozoen zuzurechnen und in den Regionen, wo sie heute die größten Schäden anrichten nicht ursprünglich heimisch.“ Grau – und Silberreiher, Kormoran und Gänsesäger haben von Natur aus in den Forellen- und Äschenregionen unserer Gewässer nichts verloren. Wo immer es möglich scheint soll man also die rasante Verbreitung invasiver Zuwanderer bremsen oder verhindern. Problempflanzen, wenn man sie schon nicht vernichten kann, sollten vor der Blüh- und Samenreife gemäht werden, um so wenigstens den Samenwurf zu verhindern. Eingeschleppte Fische und Krebse sind überwiegend sogar sehr gut zur kulinarischen Verwertung in der Küche geeignet. Vielleicht findet jemand auch noch Verwertungsmöglichkeiten z.B. für die Schwarzmeergrundeln und ähnliche. 

  • Neobiota Ambrosia
  • Neobiota Essigbaum
  • Neobiota Giebel
  • Neobiota Japanknöterich Endzustand
  • Neobiota Japanknöterich
  • Neobiota Tolstolob
  • Neobiota Zwergwels
  • Neobiota amerikanischer Sonnenhut (Rudbeckia nitida)
  • Neobiota dichted indisches Springkraut
  • Neobiota dichtes Himalayaspringkraut

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