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Sensationell war im Jahr 2014 die Nachricht von der Entdeckung einer vollkommen neuen, und sogar endemischen Fischart in der oberen Mur.

Mitarbeiter der Universität für Bodenkultur (Boku) waren im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit auf die deutlich von allen differenzierte Art gestoßen. Landläufig ist man ja geneigt zu glauben, wir wüssten ohnehin schon alles und würden bereits alles kennen was in heimischen Gefilden so kreucht und fleucht.

Neue Arten? – Ja, vielleicht am Amazonas oder in Afrika? Umso größer war die Überraschung, dass quasi vor unserer Nase ein offensichtlich lange übersehenes Eiszeitrelikt überlebt hat, (Romanogobio skywalkeri), der Smaragdgressling. Was danach folgte waren die genetische Untersuchung und die Bestätigung des Status als eigenständige Art, die Namensgebung sowie die wissenschaftliche Erstbeschreibung nach den Regeln der gültigen Nomenklatur.

Mittlerweile wurde der Smaragdgressling als eingetragenes Schutzgut und als Endemit in der Mur anerkannt.

Der Schwerpunkt des Vorkommens der seltenen Art scheint zwar in der oberen Mur zu liegen, man weiß jedoch noch beileibe nicht alles darüber. Ich durfte selbst mit Thomas Friedrich, dem Entdecker des Smaragdgresslings, den bis dahin am südlichsten gelegenen Lebensraum bei Frohnleiten per Elektrobefischung auf ein Vorkommen der Art untersuchen.

Ein dazu von Franz Keppel produzierter Youtube – Film >>  „Hotspot Mur – Smaragdgressling“ 

Und auch wir wurden fündig. Etliche Belegexemplare konnten gefangen und genetisch untersucht werden. Eine weitere Nachsuche bis hinunter in den Grazer Raum zu anderen Terminen ergab jedoch vorerst keinen Nachweis. Im Zuge einer GZÜV – Befischung gemäß der „Gewässerzustandsüberprüfungsverordnung“ konnten letztlich Ende Oktober 2021 überraschend einige Exemplare in der Restwasserstrecke in Peggau nachgewiesen und Anfang November 2021 wissenschaftlich bestätigt werden. Dadurch wurde das Artenspektrum in den Murrevieren des AFV – Graz ganz wesentlich um eine außerordentlich seltene und endemische Art reichhaltiger. Die gewässerökologische Hochwertigkeit der wenigen, in dieser Region noch verbliebenen freien Fließstrecken in den Revieren des AFV- Graz wird dadurch eindrucksvoll belegt. Ebenso groß ist die Überzeugung, auch in weiteren geeigneten Flussabschnitten weiter südlich den Smaragdgressling nachweisen zu können.

Die Mur ist und bleibt ein Hotspot der Artenvielfalt und muss als wertvolle Lebensader der Region in ihrem Fließcharakter erhalten werden.  

 

  • Juviniles Exemplar ©Wolfgang Gessl
  • Smaragdgressling_Mur_1
  • Smaragdgressling_Mur_2
  • Smaragdgressling_Mur_3
  • Thomas Friedrich praesentiert den Smaragdgressling_2 ©Gert Richter